Februar 2016 – Vom Zwang zur Entscheidung

In der Gewaltfreien Kommunikation lernen wir neben methodischen Fähigkeiten auch die der GFK zu Grunde liegende Haltung kennen. Ich vermute, dass Ihnen dabei direkt einfällt, mit welcher Einstellung wir Menschen begegnen wollen, um mit ihnen in Verbindung kommen zu können.

Für mich ist ein weiterer Aspekt der Haltung der GFK, dass wir uns bewusst werden, für welchen Anteil in der Kommunikation wir Verantwortung übernehmen. Mit der Übung des Monats Februar 2016 möchte ich im ersten Schritt dazu anregen, zunächst einmal wahrzunehmen, wie gewaltvoll vielleicht auch Sie hier und da mit sich selbst umgehen. Im zweiten Schritt geht es dann darum verantwortungsbewusst und achtsam mit uns selbst umzugehen.

„Achtsamkeit beginnt bei uns selbst“
~ Dirk Bieber

Sicherlich kennen Sie selbst Sätze, die mit „Ich muss…“ anfangen und meist von unangenehmen Gefühlen begleitet werden.

Wie zum Beispiel:

„Ich muss arbeiten gehen.
Ich muss morgen früh aufstehen.
Wenn sich hier keiner kümmert, dann muss ich es machen.

und so weiter…

Es ist möglich, dass diese oder ähnliche Aussagen sogar für andere im Außen hörbar sind, manchmal sind es vielleicht aber auch eher die inneren Dialoge, die wir führen und die hier und da die Achtsamkeit im Kontakt zu uns selbst vermissen lassen.
Denn was bitte tun wir da?

Zwang
Wir bürden uns selbst ein Last auf und unterwerfen uns einem Zwang, der in der Regel nicht in einer Art und Weise zu der Erfüllung unserer Bedürfnisse beiträgt, die wir mit angenehmen Gefühlen verbinden können.

Oder, wie geht es Ihnen, wenn Sie zu sich selbst sagen „Ja, aber ich muss doch…“?

Vom Zwang zur bewussten Entscheidung – So geht`s…

Für diese Übung brauchen Sie ein Blatt Papier (idealerweise DIN A4), einen Stift und ein wenig Zeit und Ruhe für sich selbst.

  1. Schritt

Zwang vs. Entscheidung

  • Zeichnen Sie einen Strich von oben nach unten auf das Blatt und teilen Sie es auf diesem Weg in zwei etwa gleichgroße Spalten auf
  • Jetzt schreiben Sie (am Besten spontan) für alles in die linke Spalte, von dem Sie denken, dass Sie es tun müssen
  • Sehen Sie sich nun in Ruhe die erste Spalte an und spüren Sie, wie es Ihnen mit jedem Satz von dem Sie denken, dass Sie es tun müssen, geht
    • Wie fühlt sich das für Sie an?
    • Wo im Körper macht sich etwas bemerkbar, wenn Sie sich diesen Satz vor Augen halten?
  1. Schritt

  • Jetzt beginnen Sie, für jede Aussage in der linken Spalte das oder die Bedürfnisse zu finden. Welche Bedürfnisse versuchen Sie sich zu erfüllen, in dem Sie das tun?

Beispiel: „Ich muss jeden Tag zur Arbeit fahren.“
Bedürfnis: Sicherheit, Zugehörigkeit (z.B. zu den Kollegen),…

  1. Schritt

  • Nun gehen Sie jeden Satz mit „Ich muss…“ durch und übersetzen ihn (idealerweise laut) in:

„Ich entscheide mich für.., weil mir <Bedürfnis> wichtig ist!“

  • Achten Sie auf Ihre Körperwahrnehmung und spüren Sie nach. Wie fühlt sich das jetzt für Sie an?
  • Wenn Sie es noch nicht so richtig spüren können, wiederholen Sie den Satz erneut für sich:

„Ich entscheide mich für…, weil mir <Bedürfnis> wichtig ist!“

  • Lassen Sie sich Zeit, dass die Botschaft in Ihr Bewusstsein eindringen kann und sie wirklich spüren können, wie sich ihre Körperwahrnehmung verändert.

Sobald Sie ein wenig Übung in der Ermittlung Ihrer Bedürfnisse haben, können Sie die Übung auch ohne Papier und Stift machen und sich so immer dann, wenn Ihnen ein neuer „Ich muss…„-Satz begegnet, diesen direkt umwandeln und auf die Probe stellen, warum Sie etwas tatsächlich tun.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Üben und Umwandeln von Zwängen in bewusste Entscheidungen.

 

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2 Kommentare auf "Februar 2016 – Vom Zwang zur Entscheidung"

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Ewald Dietrich
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Liebe Melanie, zuerst hatte ich den Titel dieses Posts missverstanden und gelesen: ‚Vom „Zwang zur Entscheidung“‚ und war neugierig, welchen Zwang zur Entscheidung du wohl meintest. Glücklicherweise hat sich schnell herausgestellt, dass du ungefähr das Gegenteil meintest, nämlich wie man von einem subjektiv wahrgenommenen Zwang zu einer bewussten (und dadurch freien) Entscheidung kommen kann. Danke für den Artikel, dessen Link ich schon weitergegeben habe. Ich kenne, abgesehen vom nötigen Gang auf die Toilette 😉 streng genommen nur einen Satz, in dem „muss“ sich für mich wirklich stimmig anfühlt. Ich verwende ihn gelegentlich, um auf Sätze zu antworten, die mit „Du… Weiterlesen »
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