Einblicke in das bewegte Leben der Susanne v. W.

2.-19. Juni 17, bei Susanne in Edenbergen, einem kleinen Dorf im nordwestliches Landkreis von Augsburg

Nun bin ich doch ein wenig mehr als der geplanten max. 2 Wochen hier geblieben. Meine Gastgeberin ist zum Schluss ein wenig in zeitliche Bedrängnis gekommen, so dass sich meine Weiterreise ein wenig verzögert. Mir ist das gerade recht, denn so kann ich in Ruhe die Erlebnisse der letzten Tage ein wenig Revue passieren lassen, sortieren und zu Papier bringen 😉

Hm, wovon mag ich berichten? Wo fang ich an?

Es waren so viele und verschiedene Eindrücke! Beruhigend und erleichternd ist für mich, dass es Susanne mit der Auswahl der gemeinsam aufgenommenen Bilder ähnlich ergangen ist 😉 Sie ist durch meine Anwesenheit auf vielfältige Weise inspiriert worden, und ihre alte Leidenschaft: das Fotografieren ist neu entflammt, was u.a. ihr Bedürfnis nach Spiel erfüllt hat.

Nach dem GFK-DemenzseminarDoch zurück zum Anfang meines Besuches: meine Ankunft hat bei Susanne erst mal Überraschung ausgelöst. Nachdem ich seit bereits einem guten Jahr unterwegs bin, hatte sie schon gar nicht mehr damit gerechnet, dass ich es noch schaffe, bei ihr vorbei zu kommen. Umso größer war dann die Freude. Sie meinte, ich käme gerade recht: am Tag nach meiner Ankunft fand ein Seminar statt, zu dem sie mich gerne mitnahm.

GFK-Trainerin Sabine von der Mark-LohrmannDas Seminar hatte Susanne initiiert; durchgeführt wurde es von der GFK-Trainerin Sabine von der Mark-Lohrmann vom Chiemsee (da soll es auch sehr schön sein…).

Die TeilnehmerInnen haben sich damit auseinander gesetzt, wie die Umsetzung meiner Sprache & Haltung aussehen kann – im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen und anderen, mit denen uns die Kommunikation manchmal schwer fällt. Dabei gab es viele Aha-Effekte, berührende Momente, Lachen, und mir scheint, dass auch viel Heilung und Verbundenheit „passiert“ ist 🙂

Zwei Tage später, am Pfingstmontag, durfte ich erleben, wie sich Susanne und ihr Mann Petar mehrere Bedürfnisse gleichzeitig erfüllt haben (z.B. die nach Freundschaft, Austausch, Genuss, Entspannung), und so viele angenehme Gefühle erlebten. Mittags sind eine Freundin & ein Freund zu ihnen zu Besuch, zum Grillen gekommen, und bis zum Abend geblieben. Ich habe nur so gestaunt, was sich mit einem Gasgrill so alles anstellen lässt, und was die beiden Leckeres, weitgehend Vegetarisches gezaubert haben.

Der Freund erhielt von Susanne schließlich eine Einführung in das vielfältig einsetzbare Entspannungs- und Bewegungstuch, das in einem Zimmer von der Decke hängt (es wurde von Andreas Döhrer entwickelt).

Ergebnis: er probierte einiges aus und fühlte sich darin so wohl und geborgen, dass er eine ganze Weile da drin blieb 🙂 Als ich später auch in diesen Genuss gekommen bin (mal zusammen mit Susanne, mal alleine), konnte ich bestens nachvollziehen, dass sich damit so manches Bedürfnis erfüllen lässt. Susannes Freundin hingegen war begeistert vom gemeinsamen Ausprobieren von ein paar Zapchen somatics-Übungen, z.B. dem komischen Sprechen, das u.a. den Zungengrund entspannt. Das wird wohl u.a. in der Traumhilfe angewendet. Und Susanne hat sich riesig gefreut, als sie erfahren hat, dass es im Herbst ein Seminar in Augsburg dazu geben wird, und sie daran teilnehmen kann.

Ansonsten bekam ich mit, was es für Susanne an Bereicherung & Herausforderung bedeutet, seit mehr als 12 Jahren in einer Patchworkfamilie zu leben, mit den drei Kindern ihres Mannes. Das setzt sich für sie fort, selbst wenn alle Kinder schon aus dem Haus sind. Es ist nämlich erst vor kurzem das letzte Kind, der 20 jährige Sohn von Petar aus ihrem Haus ausgezogen. Das „Wie“ war wohl nicht so, wie es sich Petar + Susanne gewünscht hätten. Es hat sie wieder erfahren lassen, wie schmerzhaft es sein kann, wenn Bedürfnisse nach Wirksamkeit, Kontakt & Verbindung oder Beitragen nicht erfüllt sind bzw. sie mal wieder verführt, an Lieblingsstrategien festzuhalten. Da hilft ihr dann viel weiter, dass sie durch die GFK mehr Flexibilität und so manches andere dazu gewonnen hat.

Ja, und dann habe ich sogar mitbekommen, wie Susanne zum ersten Mal Oma wurde! Was für eine Freude, Gerührtheit & Neugier! Gleichzeitig ist da ein wenig Trauer gewesen. Susanne hat nämlich kein eigenes Kind (mehr) auf dieser Welt. Und so konnte ich Susanne beim Erspüren, Leben und Klären ihres zeitweisen Gefühlswirrwarrs begleiten. Dabei habe ich schließlich wieder mal die Wunder-Wirkung der GFK oder vom Zulassen der Fülle der Gefühle & Bedürfnisse erfahren: es ist eine Idee für ein GFK-Spiel geboren worden. Das hat Susanne in helle Aufregung versetzt. So ist sie freudig-motiviert am Sammeln der Umsetzungsmöglichkeiten, und hat gleich einen Termin fürs Ausprobieren festgesetzt (das wird ihr dritter GFK-Spieleabend sein; leider erst nach meiner Abreise).

Lucy in Connys ÜbungsgruppeEinmal durfte ich bei der Übungsgruppe der GFK-Trainerin Conny Pinnekamp GFK-Trainerin Conny Pinnekampin Augsburg dabei sein, erleben, wie sie meine Schätze weitergibt, und wie wertvoll das für diese Teilnehmerinnen ist (dieser Abend war ein reiner Frauenabend). Susanne nutzt diese Gelegenheiten, die Giraffen-Haltung und -Sprache immer mehr in ihr Leben zu integrieren regelmäßig. Die ihr wichtigen Bedürfnisse nach Gemeinschaft, Verbundenheit, Inspiration, Unterstützung + Austausch kommen da auch nicht zu kurz. Und so fühlt sie sich danach meist sehr dankbar, fried-voll und erfüllt. Ähnlich geht es ihr im Kontakt mit den Menschen aus der Gruppe des GFK-Jahrestrainings, an dem sie letztes Jahr bei Christian Hinrichsen am Ammersee teilgenommen hat. Sie meint, dass ihr das Jahrestraining viele Entwicklungsschübe bescherte. Ausgelebt hat sie das u.a. durch die Erfüllung des Wunsches, mal eigene Postkarten mit eigenen Fotos zu gestalten. Und ich finde, das Ergebnis kann sich sehen lassen! 😉 Jedenfalls bekam so mein Bedürfnis nach Wirksamkeit neue Nahrung, was mich ganz froh macht.

Susanne assistiert übrigens inzwischen ab und zu bei Seminaren von Christian. Ihr ist wichtig, beizutragen, den Schatz der GFK zu verbreiten, v.a. im Sozial- und Gesundheitsbereich – ihrem Metier (sie ist Sozialpädagogin und Krankenschwester). Das Assistieren ist für sie sehr spannend & bereichernd, und gleichzeitig (noch?) anstrengend. Während meinem Aufenthalt gab es keine Gelegenheit, dabei zu sein; schade finde ich außerdem, dass ich nicht bei ihren Italienisch-Unterrichten vorbeischaun konnte. Da scheint es nämlich meist ganz schön lebhaft und lustig zuzugehen 😉 naja, ihre Schülerinnen wollten halt ihre Pfingstferien genießen und sich erholen…

Ganz schön ins Schwitzen kam ich, als mich Susanne ein paarmal in ihre Arbeit bei der Sozialstation mitgenommen hat. Heiß wurde es mir da nicht nur wegen den sommerlichen Temperaturen im Auto, bei den Leuten daheim und außerhalb, sondern auch angesichts der hohen Verantwortung, der nötigen Konzentration und der vielfältigen Aufgaben an so einem Arbeitstag, an dem rund 20 Menschen zu versorgen sind. Gleichzeitig merkte ich, dass Susanne ihre Arbeit liebt und sie GFK dort so viel wie möglich lebt, z.B. in Form von (selbst-)empathischem Zuhören. Die Wirkung bei den Betreuten und bei ihr selbst ist spürbar. Sie meint allerdings, dass sie da für sich noch einiges an Entwicklungsmöglichkeiten sieht, z.B. in Richtung mehr Leichtigkeit, Balance…

Beim Erkunden von Haus & Garten meiner Gastgeber habe ich übrigens verblüfft festgestellt, wie viele verschiedene Artgenossen von mir es überall verteilt gibt (mit ein paar von ihnen habe ich mich fotografieren lassen). Da wurde mir nie langweilig und fühlte ich mich nie allein, auch wenn Susanne mir gerade mal keine Zeit widmete. Für Susanne bietet unsere Anwesenheit vielerorts die Möglichkeit, sich immer wieder an das Leben der GFK-Haltung zu erinnern.

Schallend lachen musste ich ja darüber, wie sich Susanne noch Unterstützung dafür holt: sie hat sich doch glatt einen Selfie-Checker vom GFK-Team bokomm aus dem Allgäu und eine Clownsnase an den Rückspiegel ihres Autos gehängt. Sie möchte nämlich bei bisher herausfordernden Situationen beim Autofahren noch mehr ihre Bedürfnisse nach Gelassenheit, Humor und (Selbst-)Empathie leben.

Kitzelig und abenteuerlich-aufregend war für mich hingegen, als mich die beiden Hasen im Garten entdeckt, beschnuppert und angestupst haben. Glücklicherweise hat mich Susanne „gerettet“ und zum Arbeiten & Genießen im Garten mitgenommen… 😉

So, das war’s mit meinem Bericht von den Abenteuern mit Susanne 🙂 jetzt mach ich mich mal reisebereit, freue mich auf eine hoffentlich erholsame Reise & bin gespannt, was mir bei meiner nächsten Gastgeberin, weiter im Norden so blüht…

Ganz herzliche Grüße
Lucy

PS: Hier gibt es für Euch alle Bilder von meinem Aufenthalt bei Susanne zu sehen. 😉

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Aufenthaltsort: 86368 Gersthofen
Gastgeberin: Susanne v. Wyschetzki

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