August 2016 – Ein Nein ausdrücken

Stellen Sie sich vor, ein Freund oder eine Freundin bittet Sie um Unterstützung. Sie merken innerlich, dass diese Bitte für Sie gerade nicht passt. Wie geht es Ihnen damit? Können Sie wertschätzend bleiben und gleichzeitig Nein sagen?

Oder fühlen Sie sich möglicherweise unbehaglich? Sie werden vielleicht sogar unruhig und überlegen, wie Sie Ihrem Freund/-in mitteilen können, dass Sie der Bitte gerade nicht nachkommen wollen?

Wuerfel-JaNeinVielleicht

In der Gewaltfreien Kommunikation gehen wir davon aus, dass ein „Nein“ auch gleichzeitig ein „Ja“ zu einem anderen Bedürfnis ist. Dies gilt für unser Gegenüber  genauso, wie für uns selbst auch.

Wenn Sie also merken, dass Sie sich mit der Bitte Ihres Gegenübers nicht wohlfühlen, dann gibt es auf Ihrer Seite mindestens ein Bedürfnis, dass dabei zu kurz käme. Identifizieren wir dieses Bedürfnis, so ist ein erster Schritt getan, um dieses auch zum Ausdruck zu bringen.

So geht`s…

  1. Erinnern Sie sich an eine Situation, in der jemand, der Ihnen wichtig ist, Sie um etwas gebeten hat, bei dem Sie spontan Widerstand spürten.
  2. Vermuten Sie zunächst, um welches Bedürfnis es Ihrem Gegenüber dabei ging und konzentrieren Sie sich dabei auf ein oder maximal zwei Bedürfnisse. Sie können sich hierzu eine Bedürfnisliste zur Unterstützung hinzunehmen.
  3. Schreiben Sie auf, welche Gefühle Sie spüren, während Sie sich vorstellen, der Bitte nachzukommen. (Ich empfehle dabei, sich auf Gefühle von gängigen Gefühlslisten zu beschränken.)
  4. Nehmen Sie sich nun eine Bedürfnisliste zur Hand und erforschen Sie, welches Ihrer Bedürfnisse zu kurz käme, wenn Sie der Bitte nachkommen und schreiben Sie diese auf.
  5. Haben Sie mehrere Bedürfnisse identifiziert? Dann entscheiden Sie sich für das Bedürfnisse, dass in Ihnen die stärkste Resonanz zeigt.
  6. Formulieren Sie nun eine Botschaft nach dem folgenden Muster:
    1. Erkennen Sie zunächst das Bedürfnis Ihres Gegenübers an.
    2. Sagen Sie dann, wie Sie sich damit fühlen und was Ihnen jetzt wichtig ist.
    3. Bieten Sie Ihrem Gegenüber wenn möglich eine Alternative an.

Beispiel: Kannst Du mir bitte Samstagmorgen helfen, die Umzugskisten zu packen?

A: Ich höre, dass Du Unterstützung bei Deinem Umzug brauchst.
B: Gleichzeitig merke ich, dass ich sehr angespannt bin, da ich am Montag eine wichtige Prüfung habe und mich vorbereiten möchte.
C: Wie wäre es für Dich, wenn ich Dir am Montagabend beim Auspacken helfe und Du Karin fragst, ob sie Dir am Wochenende helfen kann?

Mit regelmäßiger Übung wird es Ihnen auch im direkten Gespräch mit anderen leichter fallen, ihre Gefühls- und Bedürfnislage zu benennen und auf eine Art und Weise Nein zu sagen, die mit höherer Wahrscheinlichkeit ohne Widerstand gehört werden kann.

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