Gefühle – Der Unterschied zwischen Auslöser und Ursache

Im täglichen Miteinander kommt es vor, dass wir verbal andere dafür verantwortlich machen, wie wir uns gerade fühlen. So äußern wir vielleicht etwas, wie „Ich bin total enttäuscht, weil Du zu spät zu unserer Verabredung gekommen bist.“ und schon scheint klar, unser Gegenüber ist schuld daran, dass wir jetzt enttäuscht sind. – Aber ist das wirklich so?

Hat die Tatsache, wie wir uns fühlen nicht in Wirklichkeit etwas mit dem zu tun, was uns in diesem Moment gerade wichtig ist?

Hier die Gegenprobe:
Stellen Sie sich vor, Sie sind um 10 Uhr verabredet. Sie freuen sich sehr darauf, obwohl Sie wissen, dass Sie nur 1,5 Stunden dafür Zeit einräumen konnten.

Nun kommt Ihre Verabredung eine halbe Stunde zu spät.

Jetzt sind Sie möglicherweise enttäuscht, weil Sie gerne die eingeplante Zeit für einen gemeinsamen Austausch genutzt hätten.

Was aber, wenn Sie selbst völlig abgehetzt zu diesem Termin kommen und dann noch 15 Minuten Zeit haben, sich auszuruhen oder runter zu kommen?

Zeitdruck

Dann kann es sein, dass Sie nicht enttäuscht, sondern erleichtert sind, vielleicht sogar dankbar für die Verspätung Ihres Gegenübers, da Sie ganz dringend noch ein wenig Ruhe brauchten, bevor Sie die Verabredung und den gemeinsamen Austausch in der verbliebenen Zeit dafür aber in vollen Zügen genießen können.

Sehen Sie den Unterschied?
Nicht das, was der Andere tut, lässt uns fühlen, sondern das was wir brauchen (z.B. Austausch, Kontakt, Ruhe etc.). Unser Gegenüber kann mit seinem Verhalten zwar ein Auslöser sein, aber er ist nicht die Ursache dafür wie wir uns fühlen.

Mit der Unterscheidung zwischen Auslöser und Ursache lösen wir Blockaden in unserem Kopf auf und sind nicht länger in einem Denken von „der andere sei schuld“ gefangen. Indem wir selbst die Verantwortung für unsere eigenen Gefühle übernehmen, tragen wir dazu bei, dass andere Menschen nicht Schuld oder Scham empfinden.

Indem wir zwischen Auslöser und Ursache unterscheiden und auch sprachlich Verantwortung für unsere Gefühle übernehmen, entlasten wir die Beziehungsebene und fördern das Miteinander.

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